Über

stufen

Als das Jahr 2016 seinen Anfang nahm konnte ich noch nicht ahnen, dass die kommenden Monate alles verändern würden, was mir in meinem bisherigen Leben Sinn und Halt gab.

Meine Frau und ich waren emotional, menschlich und körperlich am Absaufen. Sie hatte Krebs im Endstadium, einfach so, von heute auf morgen. All unsere gemeinsam gedachte Zukunft war atomisiert. Ich wusste, ich werde alleine übrig bleiben. Monat für Monat, Woche für Woche, Tag für Tag das Unvermeidliche immer näher zu spüren, war voller Grauen. Der Geruch des Todes fraß sich systematisch in unser Leben. Auf den Planken des Alltags glitten wir in immer heftigere See. Anfangs September 2016 war es soweit. Kalte Wogen schlugen über uns und rissen Dich für immer von mir weg. Mich spuckten sie an ein dunkles Gestade, das ich nie erreichen wollte. Aber es war wieder fester Boden. Es gab mich noch. Und eine Erinnerung tauchte in mir auf, die ich in all den Jahren einer tief erfüllten Beziehung etwas vergessen und ihr nicht mehr so oft zuhört hatte. Da war etwas in mir, das ich kannte und das mich schon immer gehalten und getragen hatte. Ich vertraue und baue auf diese tiefe innere Erfahrung, so sehr mir auch die Gischt ins Gesicht schlägt und bisweilen eine Wachheit beschert, die mich positiv irritiert.  Das Leben hat mich wieder und es schmeckt gut.

Vieles fängt wieder von vorne an und ich komme mir vor, als müsste ich erst laufen lernen. Lieben lernen ist da noch eine ganz andere Sache.

Schreiben befreit, Worte und Inhalte heften sich ans Papier und kleben wie durch einen Zauber dort fest. Mein Geist wirft raus, was mir die Sicht und den Atem nimmt.

Alles in allem, ich weiß nicht wer oder was aus mir spricht. Es treibt, es schreibt mich, ohne lange Überlegung, ohne Konzept. Dafür darf ich es als erster lesen. Das heißt aber nicht, dass ich es verstehe.