Schaffenspausen

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Unterbrechen, etwas liegen lassen, loslassen, Abstand gewinnen, für etwas ganz Anderes. Aus mir alleine heraus fällt mir das schwer. Ich bin zäh, bleibe gerne am Thema und beiße mich fest, lasse nicht locker. Bemerkenswerte Fähigkeiten, die auch helfen können, Sinn machen. Doch es fehlt der Mut zum Schnitt. Heraustreten aus einer Sache, einer Tätigkeit, sie ruhen lassen, dazu gehört sehr viel Kraft. Es ist viel leichter mich zu verkrallen, bis zum Verkrampfen. Rosi war für mich jene Person, die mir nicht nur Türen, sondern ganze Wände öffnete, mich dazu bewog, aus mir herauszuschreiten und einen anderen Blick zu finden, jetzt einen Punkt zu setzen. Etwas Ruhendes darf dann später wieder aufgriffen werden, aber nun mit anderen Ideen und einer Mischung aus neuen Ansätzen. Die Würzung in einem Essen ist ausschlaggebend und eine Mahlzeit lässt sich leicht verwürzen, wenn ich zu schnell handle. Lebensmittel verändern sich beim Kochen und verlangen in diesem Prozess nach den richtigen Schritten. Temporär nichts zu tun, abwarten und etwas sich entwickeln lassen, sind Stärken, die ich mir immer wieder gönnen möchte. Aber noch viel schöner ist es, eben mal entführt oder gar verführt zu werden.

Verschleiß

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Jeder Tag ist wie ein kleiner Notizblock mit 24 Blättern. Wenn ich am Morgen erwache, fehlen bereits die ersten 7 Seiten. Danach fallen viele Blätter einfach heraus, ehe ich etwas notieren kann. Endlich Niedergeschriebenes bleibt erst einmal erhalten, kann abgelegt werden. Vieles verschwindet dann trotzdem. Am Abend kommt mir noch das eine oder andere Blatt in den Sinn, ehe ich den Block schließlich verlege.

Abgeklemmt

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Kaiserwetter, dank der Bahn ein Kurzausflug auf den Staffelberg. Ohne es wirklich in seiner Dimension begreifen zu können, durchschreite ich in „grüner Natur“ ein früheres Großstadtgebiet, das es seit 2000 Jahren nicht mehr gibt. In der Klause gönne ich mir eine beschauliche Einkehr. Auch Adelgundis kommt nicht zu kurz. Und der Blick von den Klippen des frühzeitlichen Riffs darf nicht fehlen. Dann bin ich wieder in meiner eigenen Klausur, höre Features, erledige Punkt für Punkt im Haushalt. Aber es bleibt bei einer Abfolge von Tätigkeiten. Wesentliches fehlt und auch der Wein nach dem Bier kann das nicht ersetzen.

Späte Reichweiten

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Ich stehe allein, doch nicht ohne Potential und Willen. Seit Monaten hänge ich an Wänden und Kabeln, hämmere, vernetze, werfe Putz an Wände, schaffe Schritt für Schritt, mit nur zwei Händen voller Blasen. Ich habe mir hehre Ziele gesetzt, eigentlich ein absoluter Irrsinn.

Dabei stellen sich mir wenigstens fünf Großbaustellen: Finale Berufsphase mit Einstieg in den Abschnitt danach; Partnerschaft oder Singularität (?); Sinnfindung trotz alledem; handwerkliche Herausforderungen in Legion; eigener Lebensabschluss und Tod.

Und es bleibt, was will ich noch, ohne sie. Gibt es etwas nach ihr?

Ansonsten ergeben sich noch die üblichen Anforderungen des Alltags: das Ende meines Vaters und ein Transfer von vier Generationen auf einen Sohn. Das sollte vorerst  reichen.

Auch im Alter hat man noch Visionen. Mal sehen, wie lange der Tank reicht. Wenn nicht jetzt, wann sonst? Die letzten 3 Jahre haben mich ver-rückt. Nun taste ich mich vor, Schritt für Schritt.

Fortschrift

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Warum hört meine Geschichte immer noch nicht auf? Klar, der Faden hatte einen Anfang. Doch unterwegs kam Neues dazu, andere Perspektiven, verrückte Mischungen, nichts bleibt wie es war, auch keine Erinnerung. Das ist keine Reduzierung des Geschehenen, aber ein Prozess, der immer wieder Fäden aufgreift und sie zu einem Netz verwebt. Mittlerweile rutsche ich in eine Zone hinein, die das Stigma „Alter“ trägt. Für viele muss jetzt alles angehalten werden, damit die Stones in 50 Jahren immer noch darüber klagen können, keine Satisfaktion zu kriegen. Alt werden, heißt weit zurückzusehen und gleichzeitig zu wissen, dass da vorne nicht mehr so viel ist. Das haben Wege so an sich, dass sie irgendwo enden und das ist gut so. Schließlich müssen auch mal die Jüngeren ran. Zum Altwerden gehört auch das Loslassen, das Zurücktreten in die hinteren Reihen. Von dort ist die Übersicht besser und wenn man darf, lässt sich noch das Eine oder Andere beitragen. Sich selbst und die gemeinsame Alterskohorte bei der Stange zu halten, ist Aufgabe genug.