Die Kreatur

Waldszene

Aug in Aug, der Wind kräuselte durch das graue Fell, die Löffel weit aufgestellt. Schnuppernd, verwundert ob meiner Anwesenheit am falschen Ort. Das war sein Revier, ich war hier der Eindringling, der nicht passen wollte. Ich saß im Wald, gemütlich an einem Baum lehnend, Kanne, Tasse, Bücher um mich ausgebreitet. Das graue Felltier war einfach nur da, aus dem Nichts aufgetaucht, kannte keine Angst, brauchte keine Worte, seine bloße Präsenz war genug. Bis es meiner überdrüssig wurde, sich langsam hoppeln entfernte, ins saftige Grün.

Seitenwechsel

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Meine Tage erwachen mit ersten ichdurchwobenen Fäden,
kaum greifbar und langsam erst Form gewinnend.
Gleichzeitig ist da aber noch etwas anderes,
wie ein blasser Schleier aus Illusion,
das mir wie ein flüchtiger Blick aus den Sinnen gleitet.
Ein Blatt wird langsam umgedreht.
Die eine Seite scheut das Licht und den direkten Blick,
die andere ist einfach nur hell und plötzlich da.
Ich kann meinen Atmen, meinen Herzschlag fühlen,
Gedanken wie Anker in meine Erinnerung werfen.
So tauche ich ein in mein vertrautes Ich,
wie in ein Gewand das passt und längst vertraut.

Achtung: Aufnahme

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Es kann laut werden in meiner wortlosen Stille. Gedankenfetzen huschen durch mein Bewusstsein, Sinneseindrücke, Empfindungen, Einfärbungen. Vorbewusstes spricht nicht mit mir, es taucht nur plötzlich auf, um dann gleich wieder zu verschwinden. Ich bin stellvertretender Betrachter auf den leeren Plätzen des Publikums. Ich bin Kamera und Scheinwerfer einer Bühne, ohne Abfolge, ohne Text, ohne Regie. Und dennoch trete ich auf, brauche keinen Blickkontakt und harre dem, was da kommt. Spot an!

Abdrucklos

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Eine Gesellschaft im Alarmzustand, doch für mich hat sich fast nichts verändert,
ich lebe nur meinen leisen Ausnahmezustand.

Gleiche Aufgaben, Gedanken, Worte, Gedanken, wie immer, die sich an niemanden richten, der anwesend ist, denn es ist ohnehin niemand da.

Das Licht, das ich spüre leuchtet warm und hell, mein Kaffee schmeckt
und Rotkehlchen schmettern ihre leisen Gesänge für jeden, der zuhört.

Ich lebe ein Leben ohne Spuren und hinterlasse Schritte ohne Abdruck.
Aber ich bin, will und werde bleiben.

Hochberg

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Ich folge einsamen Wegen, bevorzugt alleine, denn bessere Tage sind längst verstrichen. Feuersalamander tummeln sich auf den Pfaden. Wenigstens sie wissen, wo man sich trifft. Ich besuche gerne Orte, die schon seit 2000 Jahren keine Bewohner kennen, das spart Blickkontakte. Leere Orte wirken nicht verlassen. Sie warten geduldig auf Gäste, um an jene zu erinnern, deren Geschichten und Gesichter längst verfallen sind. Augen, Ohren und innerer Verstand widerfahren Ahnungen, die zeitlos sprechen.

Wie geht’s?

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Es geht mir gut, wirklich gut, ziemlich gut, zu gut; ist das gut? Ich kann mich bewegen wie ich will, denken, lesen, mir etwas leisten, klug daherreden, mich hinterfragen, kritisieren und Endzeitszenarien heraufbeschwören. Meine Füße stehen im losen Sand, wenn überhaupt. Ich bette mich in Kurzlebigkeit und sitze schnell vor leeren Gläsern. Nachts wärme ich mich alleine. Es geht mir gut; eigentlich.