Schaffenspausen

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Unterbrechen, etwas liegen lassen, loslassen, Abstand gewinnen, für etwas ganz Anderes. Aus mir alleine heraus fällt mir das schwer. Ich bin zäh, bleibe gerne am Thema und beiße mich fest, lasse nicht locker. Bemerkenswerte Fähigkeiten, die auch helfen können, Sinn machen. Doch es fehlt der Mut zum Schnitt. Heraustreten aus einer Sache, einer Tätigkeit, sie ruhen lassen, dazu gehört sehr viel Kraft. Es ist viel leichter mich zu verkrallen, bis zum Verkrampfen. Rosi war für mich jene Person, die mir nicht nur Türen, sondern ganze Wände öffnete, mich dazu bewog, aus mir herauszuschreiten und einen anderen Blick zu finden, jetzt einen Punkt zu setzen. Etwas Ruhendes darf dann später wieder aufgriffen werden, aber nun mit anderen Ideen und einer Mischung aus neuen Ansätzen. Die Würzung in einem Essen ist ausschlaggebend und eine Mahlzeit lässt sich leicht verwürzen, wenn ich zu schnell handle. Lebensmittel verändern sich beim Kochen und verlangen in diesem Prozess nach den richtigen Schritten. Temporär nichts zu tun, abwarten und etwas sich entwickeln lassen, sind Stärken, die ich mir immer wieder gönnen möchte. Aber noch viel schöner ist es, eben mal entführt oder gar verführt zu werden.

Fortschrift

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Warum hört meine Geschichte immer noch nicht auf? Klar, der Faden hatte einen Anfang. Doch unterwegs kam Neues dazu, andere Perspektiven, verrückte Mischungen, nichts bleibt wie es war, auch keine Erinnerung. Das ist keine Reduzierung des Geschehenen, aber ein Prozess, der immer wieder Fäden aufgreift und sie zu einem Netz verwebt. Mittlerweile rutsche ich in eine Zone hinein, die das Stigma „Alter“ trägt. Für viele muss jetzt alles angehalten werden, damit die Stones in 50 Jahren immer noch darüber klagen können, keine Satisfaktion zu kriegen. Alt werden, heißt weit zurückzusehen und gleichzeitig zu wissen, dass da vorne nicht mehr so viel ist. Das haben Wege so an sich, dass sie irgendwo enden und das ist gut so. Schließlich müssen auch mal die Jüngeren ran. Zum Altwerden gehört auch das Loslassen, das Zurücktreten in die hinteren Reihen. Von dort ist die Übersicht besser und wenn man darf, lässt sich noch das Eine oder Andere beitragen. Sich selbst und die gemeinsame Alterskohorte bei der Stange zu halten, ist Aufgabe genug.

Fremde Schläge

Immer wieder, das bewusste Brechen von Zweigen, vor meinen Augen. Was soll das, reicht es nicht aus, mich außerdem des Kreises zu stellen? Aber womöglich gilt das gar nicht mir, sondern mir fremden Gespenstern aus der längst verblichenen Jahren, die womöglich auch nicht wissen, wie ihnen geschieht, auch wenn sie längst nicht mehr unter uns weilen, aber immer noch nachwirken.

Das neue Jahr

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Vergangenes wirkt immer auch im Gegenwärtigen, aber es hat keine schlüssigen Antworten für die Zukunft. Ich muss stets wieder neu entscheiden und es ist allemal besser selbst zu entscheiden, als durch Abwarten oder Zögern die Situation oder andere entscheiden zu lassen. Jeder weitere Schritt ist Wagnis und Zuversicht zugleich. Lösungen, die letztlich immer nur Zwischenetappen sein können, liegen einzig im Blick nach vorne.

Freizeit

Zwangsurlaub durch Feiertage ist wie eine Generalprobe vor dem Ruhestand. Wenn die ach so beklagenswerten Zwänge von außen einfach wegfallen, muss sich das womöglich klapprige innere Rüstzeug beweisen. Nachbessern ist erlaubt und jeder hat mehrere Versuche.

Stückwerk

Jedwedes Leben bleibt am Ende irgendwie unvollendet, abgerissen, wie ein Fragment. Sterben und Leben gehört jedoch zusammen. Ein Kreis ist erst ein Kreis, wenn er sich schließt. Wir erkennen den Kreis allerdings bereits, wenn diverse Teile davon noch fehlen. Ein Strom könnte hier nicht fließen, aber die Gestalt ist schon da.

Seitenwechsel

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Alles ist gut beschildert, die Wegmarkierungen lassen keine Fragen aufkommen und weisen klar die Richtung. Und trotzdem ist mir selbst Allzuvieles immer unklarer, entzieht sich, lässt sich nicht greifen und wird mir unbegreifbar. Es ist noch früh am Tag und es wäre kein Problem ordentlich Strecke zu schaffen. Aber was soll ich am Ziel, neue Ziele setzen? Sisyphos könnte auch seinen Stein ins Tal werfen und oben am Gipfel bei einer gemütlichen Brotzeit die Aussicht genießen.

Auszeit

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Meine Uhren ticken, aber nur an der Wand.
Ihre Ziffern spielen heute keine Rolle,
die Zeiger zeigen nichts an.
Es ist später Herbst und die Sonne spielt Sommer.
Ich habe mich herausgenommen, abgemeldet,
und schon komme ich bei mir an.
An anderen Tage gehe ich an mir vorbei,
sehe, höre, spüre mich nicht.
Heute ist das anders, ich gehöre mir.
Wir sitzen zusammen,
trinken Kaffee und
schauen einfach nur aus dem Fenster.

Drehen und wenden

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Andere Wege gehen, den Blickwinkel verändern, Eigenes hinterfragen, Vorbehalte hintenanstehen lassen, loslassen, Prioritäten neu sortieren, scheinbar fremden Augen zulächeln und Lächeln erwidern. Gesegnet der, welcher sich bewegen kann und das auch wirklich tut. Welch ein Reichtum, welch eine Fülle wird ihm zuteil, sofern er das sieht, spürt und annimmt. Selbst kleine Schritte werden belohnt.

Ich und Wir

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Es war richtig so früh nach ihrem Tod wieder eine Partnerin aktiv zu suchen. Diese Schule fiel mir nicht leicht, war ich es doch gewohnt, fast 25 Jahre in einem vertrauten und nahen Kontakt leben zu dürfen. Der Weg aus der entstandenen Distanz ist mir bis heute noch nicht gelungen, selbst drei Jahre danach. Auf meinem neuen Lebensabschnitt erfuhr ich Verletzungen und habe andere leider ebenso verletzt. Solche Erfahrungen sind bitter, aber vielleicht unvermeidbar. Ob ich daraus zu lernen vermag, ist nie gewiss. Beruflich zu funktionieren ist ein Handwerk. Als Mann mit einer Frau Nähe zuzulassen, muss ich erst wieder lernen. Ebenso ist das mit dem Kommunizieren, wozu vorher ein Blick oder eine Berührung genügte. In liebevollen Umarmungen durfte mein Ich ein Wir erleben. Jetzt finde ich nur noch mein verbliebenes Ich und komme wenn es gut geht, gerade noch zu einem Du. Ein Wir erwarte, wage ich nicht mehr. Womöglich gelingt genau das nur einmal im Leben.