Auszeit

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Meine Uhren ticken, aber nur an der Wand.
Ihre Ziffern spielen heute keine Rolle,
die Zeiger zeigen nichts an.
Es ist später Herbst und die Sonne spielt Sommer.
Ich habe mich herausgenommen, abgemeldet,
und schon komme ich bei mir an.
An anderen Tage gehe ich an mir vorbei,
sehe, höre, spüre mich nicht.
Heute ist das anders, ich gehöre mir.
Wir sitzen zusammen,
trinken Kaffee und
schauen einfach nur aus dem Fenster.

Drehen und wenden

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Andere Wege gehen, den Blickwinkel verändern, Eigenes hinterfragen, Vorbehalte hintenanstehen lassen, loslassen, Prioritäten neu sortieren, scheinbar fremden Augen zulächeln und Lächeln erwidern. Gesegnet der, welcher sich bewegen kann und das auch wirklich tut. Welch ein Reichtum, welch eine Fülle wird ihm zuteil, sofern er das sieht, spürt und annimmt. Selbst kleine Schritte werden belohnt.

Sukka

sukka

Das Leben ist ein Laubhütte,
Gewissheiten gibt es nicht,
alles ist nur von Zeit,
Glück, Elend, Zuversicht, Trauer.
Wir sind unterwegs, nur das Herz ist mein Kompass.
Jeder Tag ist gleich und doch anders,
Gewissheiten sind anderswo.
Gesegnet ist der, welcher wenigstens
in einer Laubhütte nächtigen darf
und an das Wenige glaubt,
oder wenigstens hofft.

Seltener Besuch

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Wir sind fast gerannt,
bergauf, die Sonne brannte,
es war so warm
und doch schon Mitte Oktober.
Wir schritten schnell,
ich konnte kaum mithalten,
uns trennen 36 Jahre.
Sie war unsere Tochter,
ist jetzt mein Sohn.
Am Gipfel weitete sich der Horizont,
doch Details blieben im Dunst.
Er hat seit dem Tod seiner Mutter
sie noch nie erwähnt.
Rosi wäre es unmöglich gewesen,
bergauf mit uns Schritt zu halten.
Er geht Wege, die ich nicht sehe,
doch ein Sohn bleibt ein Sohn.
Wir alle hatten eine Mutter.
Ich hoffe, dass mein Sohn und ich uns eines Tages
gemeinsam an Rosi erinnern und ihr danken.