Hürden

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Durchhangeln 1

Mein Leben ist wie eine laufende Schulaufgabe. Die Zeit drängt, ich überfliege die gestellten Punkte und mache erst das, was ich kann. So gewinne ich erst mal etwas Selbstvertrauen, um mich schließlich zögerlich an die Posten zu wagen, die mir alles abverlangen und an denen ich mir zum Teil die Zähne ausbeiße. Dann ist auch schon Abgabe. Nichts geht mehr, außer Warten, bis die nächste Lebensaufgabe mich einholt.

Durchhangeln 2

Mich direkt an eine steile Wand stellen und hochzusteigen überfordert mich total und ich weiß absolut nicht mehr weiter. Mit etwas Abstand bekomme ich den Tipp, es mal von der anderen Seite zu versuchen. Schließlich gehe ich hinten vorbei und sehe dann von oben herunter; geschafft. Das schwierigste dabei ist das Dreierpaket aus Zurücktreten, bei anderen Rat zu suchen und diesen auch zu beherzigen.

Symbiose

Wir brauchten einander wie Luft und Wasser. Wir schenkten einander unseren Atem und tranken am Wesen des anderen. Wir lebten dicht an dicht, Körper an Körper und wurden dennoch durch den Tod für immer getrennt. Nur der Glanz und die Strahlen alter Tage berühren mich noch immer.

Vorboten

Das nasse Dach dampft im milchig nebeligen Morgenlicht. Ein Rabe schreitet über feuchtes Moos. Die Luft ist kühl und riecht nach einem vergangenen Sommer. Weder Trauben noch junger Wein können den Wechsel versüßen. Der Herbst schickt seine Boten voraus. Widerwillig weicht die Nässe des Vortags der sich mühenden Sonne, weiß doch die zweite Jahreshälfte um ihre wachsende Stärke. Das Dunkle ist im Aufstieg.

Quartierwechsel

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Werde ich es wirklich tun?
Eine neue Wohnstatt wächst unter meinen Händen.
Selbst auf die Gefahr eigener Überforderung,
wenn nicht jetzt, wann sonst?

Ich werde durch andere Türen gehen,
fremde Decken ansehen,
auf bekannten Stühlen sitzen,
durchs Fenster Vertrautes sehen,
aber aus einer anderen Perspektive.

Zurückliegendes bleibt für immer zurück,
vieles muss weg, selbst die Hälfte ist zuviel.
Ich gehe lieber mit kleinem Gepäck.
Es wird ein Schritt in einen letzten Abschnitt.

Ich wollte es so, malte es mir lange aus.
Doch sollte es mit ihr, mit ihr gemeinsam sein,
die jetzt im Wald dort ruht,
so fern und doch ewig nah.

Ich nehm sie einfach mit.