Irgendwie

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Es geht mir nicht schlecht,
ein scheinbar sattes Leben,
es füllt den Bauch,
doch nicht mein Herz.

Die Tage sind kurz,
die täglichen Aufgaben Legion.
Ich arbeite gerne, freue mich über Ergebnisse,
aber sie schaffen kein Glück.

Meine Sorgen sind letztlich Luxus,
Sorgen, die andere gerne hätten.
Für mich ein Grund am Zug zu bleiben
und einem müden Lenz die Tür zu weisen.

Sollte ich das mir erträumte Ufer doch erreichen,
bin ich nicht am Ziel meiner Tage.
Es geht auch dann noch weiter,
aber erhofft, irgendwie anders.

Loslassen

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Noch immer trage ich sie klagend in meinen Armen tot durch die Welt und finde keinen Ort, sie zu betten, während andere längst wieder ihr tägliches Leben führen.

Es war nur ein Traum, doch hält er mir unmissverständlich einen Spiegel vor Augen. Es gibt eine Zeit der Trauer, aber hiernach muss auch wieder das Licht des Lebens erstrahlen, das nie erlosch.

Umgeblättert

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Monate klappen weg, Kalenderblätter rutschen nach hinten, reihen sich ein in Jahre, die  zwischen Regalen verstauben.

Horizonte, Fixpunkte driften in die Ferne und verlieren ihre frühere Bedeutung.

Zukunft und Vergangenheit durchmengen sich, Anfang und Ende rücken aufeinander zu.

Ich stehe im Herbst meines Lebens, das nächste Frühjahr fällt aus.

Alltagskrücken

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Meine Mutter nannte es „Ordnung halten“, worüber ich als Jugendlicher nur den Kopf schütteln konnte oder unwillig lächeln musste. Jetzt bin ich es, der sich furchtsam an ein Konstrukt klammert, das ich Disziplin nenne, um nicht in grauer Plan- und Tatenlosigkeit zu versinken. Aber sie schenkt mir kein Lächeln und beherrscht mit absolutem Anspruch meine Stunden, selbst wenn ich nur noch erschöpft und verwirrt auf verlorene Tage zurückblicke. Disziplin versucht Sicherheiten dort vorzugaukeln, wo es keinen tragenden Boden gibt. Disziplin als Lebenskrücke nimmt mir jede Leichtigkeit, die das Leben braucht. Sie stutzt mir die Flügel und versengt mir meine Träume.