Wirkungsfäden

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Schicksalsfäden müssen per Hand weitergesponnen werden, sonst verlieren sie sich. Umgekehrt muss ich Lücken in meiner Welt frei lassen, damit das Schicksal seine Fäden mir auf den Weg legen kann. Dass es fast Taue sein müssen, damit ich darüber stolpere, ist eine andere Sache.

Machbarkeit

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Nur dem Handelnden winkt der Lohn seiner Ernte,
selbst wenn es täglich bei scheinbar kleinen Schritten verbleibt.
Doch ist jeder noch so lange und beschwerliche Weg,
nicht doch nur die Summe seiner vielen ach so kleinen Schritte?

Um Berge zu versetzen, reicht ein kleine Schaufel.

 

Tagwerk

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Täglich bestelle ich meinen Acker
und er ist verdammt groß.
Eigentlich für einen Menschen allein
viel zu groß.
Er war für viele gedacht,
aber ich bin übrig geblieben.

Ein Acker kann vieles:
ernähren, beschäftigen, Verantwortung lehren.
Ein Acker nimmt aber nie in den Arm,
lächelt nicht und sieht mich nicht an.
Ein Acker füllt den Magen,
nicht aber Herz und Gemüt.

Auf Dauer macht so ein Acker krank.

Ausklang

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Tiefenentspannt,
ein Hund, zusammengerollt auf einem fränkischen Bierkeller,
träumt sich in sein Fell.
Eine Männerrunde ratscht munter vor sich hin,
im Hintergrund,
Fachwerk, frisches Lindengrün, Müßiggang.
Krüge leeren sich, blauer Rauch zieht seine Schlieren,
ein weiterer Tag ist angekommen.
Die Glocken läuten den Sonntag ein: 18 Uhr.
Ich lass sie läuten, auch wenn der Schabbat geht.
„A gute Woch!“

Mauersegler

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Wie Schatten huschen sie über den blauen Himmel,
akrobatisch, verspielt, waghalsig, bis an ihre Grenzen gehend.
Sie sind wieder da
und allein Ihr Ruf riecht nach Sommer und heißen Tagen.

Sie brauchen keinen Schlüssel und ziehen sofort ein.
Trotz tausender von Kilometern wissen sie genau
um ihr kleine Ritze unter den Ziegeln meines Hauses.
Für sie ist das Heimat, für mich lang ersehnte Gäste.

Nur für den Nachwuchs verlassen sie die Sicherheit der Lüfte.
Sie schlafen, fressen und trinken im Flug.
Was für ein Leben, gleiten, stürzen, sich tummeln
und in der Meute lärmend durch Straßenschluchten brausen.

Seit willkommen, lasst euch nieder,
bleibt, bitte bleibt,
denn wenn ihr geht
ist der Himmel ohne Freude.

Zeitschläge

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Es hat keinen Sinn, eben mal jemanden zu suchen, denn unter www… ist niemand. Noch vor zwei Jahren war das eine aufrichtige Hoffnung. Ich dachte die Idee würde schon irgendwie funktionieren, eben mal so, wäre ja modern, im Stil der Zeit. Aber die Zeiten ändern sich nicht so, wie ich das gerne hätte. Dort ist niemand und hier ohnehin nicht. Da bin nur ich und sehe mein Spiegelbild. Und dann ist da noch die Wanduhr, die immer wieder schlägt, laut und deutlich die Stunden zählt und dann wieder tickt, ständig tickt, bis das Uhrwerk steht.

Luftveränderung

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Ausmisten, umbauen, neue Ziele andenken und ins Visier nehmen.
Manches kommt auf den Tisch, geht raus, anderes findet neue Beachtung.
Orientierung ist ein tägliches Muss und hört nie auf.

Und manchmal kommt auch in geschlossenen Räumen eine alles befreiende Priese auf, die richtig nach Salz und Algen riecht.