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Fensterblick

Eigentlich fühlte es sich ganz gut an,
weder spontan überzeugend, aber doch genug hineingedachte Inhalte, um neugierig zu werden.

Leider ist vielen Menschen nicht unbedingt die Gabe gegeben, sich textlich zu charakterisieren. Das was in der virtuellen Waagschale liegt, ist zumeist reichlich wenig. Hierauf eine Nachricht zu formulieren, ist fast immer ein Schuss ins Blaue, anvisiert mit viel Bauchgefühl, spontaner Intuition und dennoch zurückhaltender Erwartung.

Dann aber unmittelbar für zu leicht befunden und mit einem Mausklick weggeworfen zu werden, ohne inhaltliches Feedback, ist immer wieder ein kommentarloser Stoß aus einem emotionalen aber ehrlichen hoffnungsgeladenen Höhenflug.

Ist mir etwas erspart geblieben?

Wer sich danach dennoch wieder an die Tastatur setzt und trotzdem weitermacht,
sitzt entweder abgrundtief in der Patsche, oder ist irrsinnig und selbstverachtend optimistisch.

Einschnitte

Moor

Trennungen zwischen Menschen sind vielfältig wie ihre Gründe und Wirkungen. Für die die einen ist das aktive Verlassen ein Akt der Befreiung, für andere Verrat, intimer Betrug und absolute persönliche Negierung. Für wieder andere ein stilles Auseinanderleben, das dann nur noch final vollzogen wird. Nichttrennung obgleich einander fremd geworden, ist letztlich eine Art täglichen ultimativen Wegsehens oder das Zusammenleben von Untoten. Der Tod eines Partners jedoch, ob plötzlich oder absehbar, zerreißt mehr als nur ein Leben und hinterlässt eine unfüllbare Lücke. Die letzte Trennung ist dann nur noch das eigene Ende, der eigene individuelle Ichverlust und das Verscheiden aus dieser Welt.

Trauer

Faun

Ich weine,
auch wenn meine Augen
trocken bleiben.
Ich fühle mich eingeklemmt
in einem Käfig,
der mich überall begleitet.
Irgendwie unverstanden,
ungeliebt, vergessen,
ausgespuckt, nebenbei zertreten.
Nicht angekommen, getrieben, vertrieben,
die Straße will kein Ende nehmen.
Unsichtbare Dunkelheit legt sich über den Tag.

Trotz alledem

Fensterspiegel

Vor mir glimmt etwas Hoffnung
aber nur in einer Laterne,
die ich vor mir hertrage.

Schwarze Fenster sehen mich an
und spiegeln im Glas
meine eigene kleine Welt.

In einem Gefäß
locke ich Fruchtfliegen
mit Wasser und Wein
in einen süßen Tod.

Bücher, Gedanken,
Ideen noch nicht gelebter Tage
tragen mich auf einer dünnen dünnen Haut.
Machen mir dennoch Mut auf neue Tage,
die es noch zu sehen gilt.

Die Moiren kümmerts wenig,
spinnen meinen Faden,
geben ihm eine Länge
und scheiden ihn dann ab.

Und frech pfeif ich mein Lied,
trotz alledem.

Übergänge

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Es ist zu hell und selbst des Nachts ist der Himmel nur grau.
Es fehlt dem Licht an Dunkelheit,
um mich zu verstecken und im modrigen Halblicht Dinge zu erkennen und zu verstehen,
die im Licht unsichtbar mich dennoch stets umgeben.
Das Licht zeigt mir nur die eine Hälfte,
doch auch im Schatten wirkt und lebt eine weite Welt,
der ich mich nicht entziehen kann.
Ich bin beides, Licht und Schatten
und beides lebt in mir.