Alb

träger

Ich bin frei,
alle Türen stehen offen.
Ich kann gehen wohin ich will
und bleibe dennoch in meiner Zelle,
die mich auch dann umgibt,
wenn ich nicht dort bin.

Nur strikter Wille, Disziplin,
schiebt mir die Bilder weg,
oder pure Müdigkeit,
gleich ob als Lohn von Arbeit
oder berauscht, Glas für Glas.

Und dennoch glimmt in mir die Hoffnung,
eines Tages Gnade zu erfahren,
dass der Spuk verlöscht
und der Alb aus meiner Seele weicht.

Un-begrenzt

huegel

Mein Leben ist ohne Rahmen,
es ist einfach herausgefallen
ohne schützende Begrenzung,
zerfließend, haltlos.

Ein Leben wirkt erst dann,
wenn es seinen passenden Rahmen gefunden hat.
Beides ergänzt sich und unterstreicht den Wert des anderen.
Grenzen halten zusammen, bewahren das Innere,
beständig und fest.

Ein Leben im richtigen Rahmen ist wie eine Ikone.

Wandlung

perlen

Wenn es regnet ernte ich Wasser,
es kommt zu mir, jedoch zu seiner eigenen Zeit.
Es fließt, drängt,
es ist klar, weder zerbrechlich noch fassbar,
belebend oder zerstörend.
es kommt und geht.

Was ich ernte, gehört nicht mir,
ich gebe es nur weiter.
Es hat sich manifestiert,
in einer sich schaffenden frühen Welt
und ich trage es darum stets in mir.
Ich bin lebendes, denkendes und handelndes Wasser
in einer eigenen temporären Transformation.

Vereinzelung

laube

Eigene Gedanken, Blicke, Handlungen,
doch meine Tage verlieren ihre Sprache.
Ich erwache, stehe auf, trinke Kaffee,
aber es fällt kein Wort,
denn da ist niemand, der es hört.

Niemand spricht, niemand teilt sich mir mit,
nur ich spiegle mich in eigenen zufälligen Gedanken,
finde mich in der Anzeige auf der Waage
und verdaue mein Leben.

Mit-teilen heißt gemeinsam etwas von einem anderen Ich zu erfahren,
dessen Blickweise zu hören, im Dialog ichhaft Erfahrenes zu tauschen
und Leben zu teilen.

Ich weiß um meine Beschränktheit, um meine begrenzte Sichtweise und Erfahrung.
Mich zu finden, andere zu finden und uns immer wieder neu zu finden und zu erfinden,
heißt Leben be-greifen, erfassbar zu machen, was sonst meinen Händen entgleitet,
da es nur mit vielen Händen ertastet werden kann.

Das Leben ist zu groß für mich als Vereinzelten.

Geburtstag

türkenbundlilie

Lasst mich einen Toast ausbringen. Auf mein Wohl, denn das will ich mir nehmen, gerade wenn es auf eigenen Taten fußt. Eigenes Wollen, eigenes Handeln, eigenes Ernten, im Guten wie im Schlechten, darauf trinke ich. Auf mein Wohl, denn ich werde nicht von mir weichen. Ich bin mir noch geblieben. Ich werde meinen Weg finden und wenn es sein muss bahnen. Ein Wohl auf meine Tränen, die mir Wachheit schenken und Erinnerung. Ich stoße mit mir an, solange ich noch da bin, ehe ich mich, heute, oder morgen oder etwas später für immer verliere oder neu gewinne.