Was bleibt

Füller

Verschriebene Blätter, ungelesene Bücher, abgelegte Ideen, vergilbte Wünsche. Um mich herum unstete Ordnung, ein Ort vergessener Orientierung. Ein „weiter, nicht stehenbleiben“, rettet mich lediglich in die Dunkelheit der nächsten Nacht. Kalender verlieren ihre Blätter und eine Wanduhr kennt nur eine Richtung, solange die Gewichte noch nicht am Boden liegen.

Das Wasser fließt im Bach, auch wenn das Mühlrad steht. Doch ich sitze nur am Wehr und blicke den Fischen ins Auge, ein jeder in seinem Element.

Die letzte Klappe

gevattertod

Der Tod klingelt nicht, er drängt sich einfach an Dir vorbei in Dein Innerstes. Er durchwühlt alles, ohne Plan und Ziel, denn er braucht keinen Sinn. Der Tod achtet niemanden und nichts. Er bringt alles zum Erstummen und erstickt selbst Deinen letzten Hauch und Deinen letzten Willen, ehe alles erlischt im unendlichen Nichts.

Glanz

efeuwald

Wir waren Könige. Wir brauchten kein Reich, keine Kronen und kein Zepter, weder Glanz noch Glemmer. Wir reisten gemeinsam durch unser Land, das uns nicht gehörte, das wir dennoch liebten. Wir beide waren unser Schatz. Wir waren uns so nahe, wie es zwischen Mann und Frau nur möglich ist. Wir waren unermesslich reich an Akzeptanz des anderen Du und gegenseitiger tiefer Zuneigung. Gemeinsam umfasste uns ein Glanz, den nicht nur wir verspürten. Wir waren Könige.

Last cut

schnitt

Mein Leben ist wie ein schlechter Film, Schnitt für Schnitt. Die Szenen ergeben einfach keinen Sinn. Ich wache nachts auf und warte darauf, endlich aufzustehen, Schnitt. Wenn es endlich soweit ist, ist es auch am Wochenende viel zu früh, Schnitt. Ich schütte Kaffee in mich hinein, mache dies, fange jenes an und denke an etwas völlig anderes, Schnitt. Ich beeile mich, sitze im Bus, in der Straßenbahn, laufe durch fremde Städte, um möglichst schnell wieder zurückzufahren, Schnitt. Ich esse völligen Unsinn, ich weiß das und es schmeckt mir nicht. Ich schmeiß den Rest in den Mülleimer, Schnitt. Irgendwann am Nachmittag lege ich mich angezogen ins Bett und schlafe, Schnitt. Schließlich mache ich so weiter, bis der Tag verbraucht ist, Schnitt. Abends sehe ich einen Krimi mit Kommissar Dupin. Ich schenke mir stetig ein, vom Roten, laufe hin und her, sitze keine Sekunde, Schnitt. Letzte Szene, ich schreibend am spärlich beleuchtetem Küchentisch, während das abgeblendete Aquarium blubbert und die Pumpe brummt, Dunkelheit, Schnitt.

Entgrenzung aufheben

kirschen

Bindung lässt mich  innere Leere und Mutlosigkeit abwerfen. Tägliches Handeln muss nicht mehr scheinbar sinnstiftend verbogen werden. Gebundensein gibt mir die Freiheit, auf ein anderes Du vertrauend mein Leben leichtfüßig zu durchschreiten. Ich finde Ruhe und tiefen Atem, auch wenn es unruhig wird.

Eine uferlose Entgrenzung ist kein Freiraum. Alles zerfließt und verliert sich . Erst in festen Grenzen kann etwas wachsen und Ausdruck finden.