Leere Räume

schlucht

Meine Seele blickt betäubt ins Leere.
Der blaue Himmel sticht in die Augen,
blendendes Licht umflutet meine Trauer.
Verkrustete Tränen hängen mir in den Wangen.

Mein Atem hat kein Ziel,
ich verliere mich
in ichloser Arbeit.

Leere Stunden, leere Tage,
irgendwie am Rand stehend,
hinausgetragen, abgeschnitten.

Unendliche Wehmut kriecht unter meine Haut,
lässt sie dünner und dünner werden.
Ein Riss zieht sich durch meine Leben.

Hängepartie

radIch bin verunsichert,
springe von Scholle zu Scholle und weiß nicht,
wozu das Springen taugen soll.
Während im TV rosarote Bilder den Sonnenaufgang über dem Chiemsee zeigen,
sitze ich in meiner Küche, eingebettet in ein Grau in Grau.
Da sind keine Hände, kein aufmunterndes Wort,
alles weit weg, jeder Schritt von mir alleine mühsam gewollt.

Jetzt einfach die Schuhe schnüren und den ganzen Tag durch Wald und Flure schreiten.
Dem Wind zusehen, wie er das Laub von den Bäumen schüttelt.
Krähen beobachten, wie sie sich auf abgeernteten Feldern bedienen.

Die Tage wirken fade, der Kaffee bitter,
auch eine heiße Dusche vertreibt nicht jene Kälte,
die mich innerlich zittern lässt.

Trockene Tränen laufen durch meine Adern
mein Atem ist flach, mein Seele weint.

Aufgehoben, zuhause sein,
ein kleines Glück erfahren.
Ist das zu hoch gegriffen?

Ein Kuss, ein Wort, ein Blick,
eine lange lange Umarmung
wäre jetzt alles.

Orientierung

gelaender

Das Leben braucht Fixpunkte, an denen es sich ausrichten lässt. Ich kann einem Kompass ohne Nadeln nicht sagen, wohin er zeigen soll. Was ist eine Karte ohne Himmelsrichtung? Wegmarkierungen sind nur buntes Lametta. Wer weiß schon, wohin sie führen? Begegnungen jedoch mit Menschen aus Fleisch und Blut können helfen, sich wechselseitig Orientierung zu geben. Laufen muss ich dann trotzdem  alleine und für die Richtung bin ich selbst verantwortlich.

Samhain

stuhl

Ich bin mir zu wenig, unvollständig, unrund, unscharf und verschwommen. Diese  Frau an meiner Seite und ich an der ihren, auf gleiche Schulterhöhe bedacht, ohne die Unterschiede zu leugnen, verändert alles. Fürwahr, ein Paar ist mehr als nur das Zusammensein zweier Menschen. Ist das der feste Grund, der trägt bis an das Ende meiner Tage? Oder ist da noch mehr, eher der Kreis sich schließt? Ein starker Baum ist nur so stark wie seine Wurzeln. Wer sieht und weiß um diese? Energie, die uns beseelt, wächst nicht nur aus eigener Kraft. Da ist eine Tiefe, die ins Dunkle führt. Ich sehne mich nach einer Erdung, die mich dort verwurzelt und auch dann noch ist, wenn ich nicht mehr bin.

Ich wurde mir nur anvertraut, vorübergehend, als Leihgabe, in treuen Händen. Die Zeit des Zurückgebens rückt näher. Am nächsten Hausflur schon mag es flüstern: „Es ist Zeit, Dein Pfand läuft aus!“