Drüben

elbe
Schienenblockaden blockieren nicht,
wenn mein Herz leise lächelt und mein Körper summt.
Die Armbanduhr schläft.
Ein Blick, ein Wort und wir knüpfen nahtlos an,
wo wir stehengeblieben waren, einfach so.
Spätestens am Fluss setzt uns der Fährmann an ein anderes Ufer.
Zurückgebliebenes war jetzt unwichtig.
Wir aber steigen an verträumten Heimen jung hinauf in eine große Laube.
Gedanken tauschen sich aus,
einem Lächeln folgt ein Lachen,
verstehen und zuhören,
Zuneigung, wechselseitiges Annehmen in naher neuer Vertrautheit.
Was für ein Dahinfließen,
eintauchen in Erinnerungen,
gemeinsames Sehen.
Ich fühle ein Licht in mir strahlen,
das auch dann noch tanzt,
wenn das alte in Dämmerung gehüllte Ufer
uns zurückholt.

Am Keller

keller

Hinter Bier und Büchern wohl verborgen,
wurde ich doch gefunden am muntren Keller.
Tief war ich in den Zeilen eingetaucht,
um dann freudig überrascht,
mich in vertrauter Runde vorzufinden.
Wenn auch die Worte keinen tiefen Grund berührten,
gaben sie doch Halt
in dem was ist und jetzt Wirkung hat.
Der Freunde Worte sprach mich an
und nahm mich so wie ich da saß.
Doch nur kurz war der Besuch,
der mir am Tisch Gemeinschaft schenkte,
die im Buch ich nimmer finden werd.

Klagelied

P1120733

Ein Lied liegt mir in den Ohren,
ein trauriges Lied,
die Klage eines Mannes,
seit Tagen schon.
Es will nicht verstummen,
wohin ich auch gehe, wohin ich auch blicke.
Die Sprache ist mir nicht vertraut,
seltsam orientalisch, jedoch nicht verspielt, nicht verträumt.
Ein Klang, der sich nach Tränen sehnt,
dem aber die Kraft fehlt, sich weinend zu erleichtern.
Ich höre das Lied aus einem verlassenen Haus, gar einem Palast,
wie aus einem hinteren Flur,
einem Zimmer, das kaum zu finden ist,
in einem großem Haus,
das keine Türen hat.
Das Lied will nie enden,
nie schweigen,
klagend seine Weisen singen.
Leise Trauer legt sich über alles.
Das Lied spricht, klagt an ohne verklagen zu wollen,
blickt zurück, auf nicht mehr Änderbares.
Ein Lied, das auch ohne seine Worte zu verstehen ist.
Ein Mensch sucht Trost,
nach Halt, nach Sinn.
Es ist ein klagendes wie auch ein bittendes Lied,
das sich nach Erhörung sehnt.

Mauersegler

P1120743Sie sind weg, sie sind schon wieder weg.
Leise haben sie sich aufgemacht, um niemanden zu wecken,
niemanden zu verschrecken.
Ein fernes Ziel hat ihnen ein Lied zugetragen.
Sie mussten ziehen, dem Lied entgegen.
Welch eine mächtige Lebensfreude zeigt ihren Flug, wenn sie im gemeinsamen Schrei vereint schrill im Schwarm gegen Wände steuern und kühn daran vorüber huschen.
Stolze Kinder der Lüfte, Boten aus der Ferne, die nur kurz unter meinem Dach verweilen.
Sie wissen um ihren Weg, um ihre Bestimmung
und folgen ihr, ohne zu zagen, ohne zu zaudern.
Sie sind wieder weg
und lassen mich zurück,
dem die Tränen des Abschieds in die Augen drängen.
Zurückgelassen im eigenen Herbst meines Lebens.

Einblicke – Ausblicke

Es gibt nichts, das mich hält, nichts trägt, ich atme im Nichts.
Nichts ist mir heilig, denn alles ist entweiht.
Ich sehe ins Grüne, mein Kühlschrank ist voll,
mein Bauch gebläht,
so stehe ich am Abgrund und warte.
Ich greife ins Leere,
Sand rinnt mir durch die Finger,
aus Augen, Nasen und Ohren.
Ich habe auf Sand gebaut und spüre den Regen,
den langen kalten Regen.
Mein Wein, mein Füller, mein Papier,
ist mir Spiegel und letzte Ansprache ins Off.

Feinstofflich weiblich

Weites Land

Wie aus einer anderen Welt, zart, hellwach und bestechend klar,
ihr Wissen ist Legion.
Zurückhaltende unaufdringliche Klugheit in ein leises Lächeln gehüllt.
Ein kleines Lächeln, das kein Lachen werden will.
Ein vorsichtiges Lächeln, das sich nie zu weit hinaus wagen will.
Ganz Frau in ihrem Wesen, in ihrer Wärme.

Eingetreten in den alten Bund,
gibt sie dem überlieferten Wort einen Körper, der spricht und handelt.
Dich trägt eine Kraft, die auch dein Umfeld erfasst.
Tief gründet dieser inn’re Halt,
der auch durch dunkle Stunden führt.

Du berührst,
doch nur jene, die es nicht scheuen, bewegt zu werden,
sich treiben zu lassen und dem Werdenden ihr Auge zu schenken.

Entstofflichung

tisch

Diese Zimmer, diese Räume haben ihre einstige Ordnung und Sinn verloren. Das Halten an irgendwas ist entschwunden, das noch Vorhandene verliert sich in Beliebigkeit. Auflösung, Entformung macht sich breit, leert Zimmer für Zimmer. Erinnerungen verblassen, verlieren sich im Nichts. Gedanken verfliegen, tiefe Gefühle, Schmerz und Liebe sind nie gewesen. Einst und Jetzt fließen ineinander, ohne Laut und Erinnerung.