Was bleibt

kraft

Eigentlich darf ich jetzt ernten, was ich im Leben gesät habe. Nicht alles ist aufgegangen, manches weniger gut gelungen als erhofft, manches wollte ich gar nicht haben. Vieles würde ich heute anders machen, anders leben. Vieles habe ich auch versäumt zu tun und bei vielem schüttle ich heute über mich selbst den Kopf. Ein gelebtes Leben hinterlässt einen breiten Strauß an Farben und vor allem viel Licht und Schatten. Auch Wunden bleiben zurück, mitunter Wunden, die sich nie wieder schließen. Doch noch hat der Herbst nicht Einzug gehalten, aber er liegt bereits in der Luft und steckt in meinen Knochen. Eigentlich wollte ich diesen Weg zu zweit gehen, geborgen in wärmender begleitender Nähe. Jetzt ist mein Pfad verdorrt, trocken und selbst ein Glas Wein legt sich nur noch auf innere Asche. Staub ist zurückgeblieben von Ihr, Staub der jetzt dem Wald anvertraut der Ewigkeit zurückgegeben wurde. Der Kreis hat sich geschlossen und mich zurückgelassen. Das Ernten werde ich anderen überlassen. Es reicht die Hinterlassenschaft von drei Generationen zu entsorgen. Bilder, die keiner kennt, Töpfe, in den keiner mehr kocht, Räder, auf denen niemand mehr fährt. Kleider, die nur noch Erinnerungen an den Sommer des Lebens in sich tragen. Es ist windig geworden, die Nächte werden länger, es kühlt aus. Altweibersommer?

Blick in die Stille

P1120477Stille und die Kraft des Roten aus meinem Glas ist mir die schönste Musik und Poesei. Erst in den leisen Weisen des tonlosen Reigens, zeigen sich jene scheuen Gedanken und Ideen, die einen tiefen Blick in den Mundus des Unendlichen erahnen lassen. Alte Erinnerungen ziehen auf, an Erlebnisse, die ich nie hatte. Eine Gestalt wird mir erahnbar, die als Wesen Teil meines Ichs und mir selbst innerlich verwoben ist. Worte, Gedanken tanzen wie Funken im Feuer und als Irrlichter durch den Raum. Die Schwere im Atmen deutet an, was noch nicht verständlich ist und dessen Sein mir verborgen bleibt. Es zeigt sich nicht, aber es hinterlässt Spuren, berührt, bewegt, bahnt Gedanken, Gefühlen, Unfertigem den Weg.