Innere Gastlichkeit

Abends wenn es dunkel und still wird, besuche ich mich. Wir sitzen nebeneinander und bestaunen uns und die Welt. Es ist zum Teil eine laute Stille, aber ein tiefes Getragen- und Verbundensein. Irgendwie bin ich heimgekehrt und wir haben uns wiedergefunden. Spiritualität bekommt ein Gesicht, Wange an Wange. Inneres und Äußeres berührt und zeigt sich. Das klappt auch ohne Moral und Religiosität. Der Dalai Lama würde jetzt lachen. Lachen ist die tiefste Form von wortloser Zustimmung.

Keine Fügung ohne konkretes Handeln

Was passiert da? Menschen und Bücher treten in mein Leben und hinterlassen Abdrücke, die mich täglich verändern. Welche Feeh hat mich geküsst, dass ich all das verdient habe? Da gab es in letzter Zeit bittere aber tief berührende Kontakte, die mich stets in die richtige Richtung drängten. Da wurden mir Bücher zugeflüstert, die dann wie aus einem unsichtbaren Ozean zu mir fanden. „Anam Cara“ ist für mich wie eine innere Offenbarung. Allmählich glaube ich immer mehr an Schicksal und Vorsehung, auch wenn ich mit großer Gewissheit meinte, dass alles dagegen spricht. Schicksal heißt aber dennoch, dass ich etwas tun muss. Ich muss mir mein Schicksal verdienen, durch eigene Taten, durch eigenes Sehen und Verstehen. Schicksal ist zunächst nur pure Möglichkeit. Ich selbst muss durch mein Tun manifestieren, was nur als Chance auf meinem Weg liegt. Alte Träume aus meiner Jugendzeit bringen sich in Erinnerung und sprechen zu mir. Ich lasse mich einfach vertrauend treiben. Die Strömung wird wissen wohin.

Im Garten

Immer wieder am Teich mit Blick in das glasklare schattige mit Pflanzen durchwobene Wasser. Nymphen weilen am Ufer und laden mich zum lauschigen Verweilen ein. Schon seit Jahren sehne ich mich danach, mich einfach nieder zu lassen und dem Schattenspiel des Wassers, sowie den stillen Weisen der zeitlosen Runde beizuwohnen. Doch nie gönnte ich mir die Muse, der Zeit zu entsagen, stets die nächste Aufgabe hastig und eilig vor Augen. Oft werden mich die netten Damen nicht mehr fragen. Ich mache da irgendetwas falsch. Die Nymphen nicken und ich bin schon wieder weg.

In der Stille

Es gibt auch das Vorbewusste. Ein Sehnen, ein Drängen, ein tiefes Empfinden ohne Worte, ohne sprechende Gedanken. Ein Dämmerlicht in einer Höhle. Neugierig, ängstlich, aber nicht wissentlich orientiert. Doch selbst wenn wir mit Worten den Bann der Stille durchschreiten, sitzt das Vorbewusste in unseren Beinen, in unseren Armen, in unserer Brust und atmet uns.

Zwiegespräch

Es war Dein Wille, wenn auch damals vor Jahren im Scherz gesprochen, mich nach Deinem Tod wieder in einer neuen Bindung wissen zu wollen. Du hast gespürt, dass ich alleine auf Dauer ohne ein Du verloren gehe. Und dennoch habe ich jetzt wieder einen alten Teil meiner selbst entdeckt, der in seiner vermeintlichen Schwäche viel Stärke beweist und gut auf eigenen Beinen steht, so oft sie mir auch einknicken. Jetzt, da ich als verblichener Prinz, in dem einst auch nur ein Frosch steckte, in späten Jahren wieder werbend mich umtun muss, kann ich diesen langen inneren Atem gut gebrauchen. Ich hätte mir nicht träumen lassen, welche Wechselbäder mich da packen werden. Trotz Skylla und Charybdis, trotz mancher Sirenen, ein Kurs liegt an, welche Insel auch kommen mag. Ich werde mein Ithaka finden und mit etwas Glück, ist Penelope noch da.

Wir müssen weiter

Ich trete  aus dem Kreis heraus.  Was passiert ist, liegt hinter einer Linie. Es war tief, wortlos abweisend, aber sehr nah. Ich hätte zu gern Deinen Duft gerochen, Deine Wärme gespürt. Die Erfahrung Deiner Nähe  werde ich bewahren. Sie war für mich echt und rein. Da gab es Augenblicke, die mich umarmten. Da will ich hin, an das will ich glauben. Da war viel Gutes. Ich nehme die Erfahrung an und richte mich wieder auf. Bergende Ruhe hüllt mich ein, ich bin in und bei mir. Meine Seele kennt mich, geleitet mich und wir ziehen weiter.

Zertreten

steigerwald3Nicht mehr sehen und nicht mehr aufstehen wollen. Alles krümmt sich, alles schmerzt, ich fühle mich wie betäubt. Es tut unendlich weh. Was soll ich denn noch aushalten? Narbe an Narbe. Wozu atme ich immer noch? Rhetorische Fragen brauchen und wollen keine Antworten. Sie schreien und heulen einfach ohne einen Laut.

Auf dem Seil

Bilde ich mir das nur ein, sitze ich einer selbstgemachten Illusion auf? Träume ich einen Traum, der nie eine Chance hat zu schweben? Meine Seele rebelliert und nur sie ist im dichten Nebel meine Orientierung. Da ist der Umriss einer Gestalt und ich spüre eine sehnsüchtige schwere Leichtigkeit. Ich steige ohne Zögern auf das Seil. Was soll ich jetzt noch auf festem Boden, ohne zu wissen, wie lange der Strang ist und wie tief darunter? Darauf kommt es jetzt nicht mehr an. Ich habe Angst, aber etwas führt mich. Ich habe keine Wahl, ich will keine haben. Von jetzt an bleibt nur tiefes Vertrauen. Es trägt mich und ich mache die ersten zögerlichen Schritte. Es ist so düster und ich sehne mich nach Licht. Es ist gut so und ich kann nur noch nach vorne. Ich komme nicht mit leeren Hände. Ich habe mich selbst dabei.