Nachtrag

Es gibt Abende, Minuten, da wünsche ich mir eine Nachricht von ihr. Und unter dem Text würde ich nicht den Namen Rosi finden. Doch mein Postfach bleibt leer. Aber ich wünsche es mir dennoch, für ein paar Minuten. Dann versuch ich es zu verdrängen. Hoffnungen sind wie Strohhalme, sie schwimmen, irgendwohin.

Schlussstrich ohne Ziellinie

Worte, Sätze,
eine Möglichkeit,
Eindrücke auszudrücken.

Dieser Blog hat 500 Einträge. Das waren 5 Jahre, 5 Jahre die ich gebraucht habe, die Situation und mich zu akzeptieren. Wer plötzlich ins Wasser fällt, wird sehr schnell feststellen, ob er noch schwimmen kann. Ich habe viel schlucken müssen und ich habe sogar selbst dazu beigetragen. Panik ist kein guter Lehrer. Ich habe wieder zur Ruhe in meinen Entscheidungen zurückgefunden und ich finde immer mehr zu einer passenden Sprache, die ihre Eile verloren hat.

Ich bin in die Jahre gekommen. Wenn ich in den Spiegel sehe, dann werden meine Falten immer tiefer und länger, die Farbe ist am Abbröckeln. Das hatte mir früher ordentlich Druck gemacht. Jetzt habe ich die vermeindlich roten Linien längst hinter mir gelassen. Das schenkt unaufgeregte Gelassenheit. Zudem habe ich in den letzten Jahren Aufgaben gestemmt, die ich mir inhaltlich glücklicherweise im Detail nicht vorstellen konnte. Es ist aber gut gelaufen und das gibt ordentlich Selbstvertrauen, wenngleich keine Garantie.

Zudem habe ich mich alleine mit meinem Leben ganz gut arrangiert. Ich kann gemäß meiner Einschätzug sogar so leben, wie nur wenige; das ist ein besonderes Privileg. Und ich brauche dazu weder ein SJV, noch große Reisen oder andere schnell vergängliche Irrtümer.

Ich weiß nicht, wie lange ich die kleine Erfolgsspur halten kann, aber mit mir ist immer noch zu rechnen.

Wenn ein Kapitel endet, der Inhalt der Geschichte aber eine Fortsetung hat, dann ist das der Stoff für einen neuen Blog.

rentenzeit.wordpress.com

Türschwellen

Eine Phase des Abschieds kann nicht ewig währen. Es kommen neue Herausforderungen, neue Anforderungen, neue Inhalte, vielleicht auch eine andere Frau. Vielleicht habe ich sie schon kennengelernt. Welche Themen auch immer solche Phasen haben, sie sind irgendwann abgeschlossen und sie haben ein Ergebnis, wie auch immer das lauten mag. Mehr ist in dieser Sache nicht zu haben. Ich muss dieses „Abschlusszeugnis“ akzeptieren und etwas daraus machen. Aber die Jahre danach sind definitiv vorbei. Was nicht heißt, das Davor langsam zu vergessen; es ist meine Basis. Und die wenigen Jahre danach gehören ebenso mit dazu.

Nachbesserungen

Kontinuität in einer Beziehung führt auf Dauer zu Fehlanpassungen und Fehleinschätzungen, selbst wenn das Verharren im Innenverhältnis als Segen empfunden wird. Meine letzten 5 Jahre auf eigenen Wegen waren folglich Lehrjahre. Ich musste erst wieder lernen, welche Schwächen und Stärken in mir stecken. Und ich musste auch meine Selbstbetrachtung korrigieren, vom Gutmenschen auf Mittelmaß, mit einbezogenen Schattenseiten. So ein Blick in den Spiegel, verbunden mit neutralem Feedback, ist nicht immer schön, aber nahe an der Realität. Wenn ich es etwas zuspitze, könnte es auch heißen: „Ohne Scheitern gibt es kein Weiterkommen!“

Weiter

Irgendwie angekommen, die Tunneljahre waren gestern, selbst wenn es mal schwer wird. Die Zeit nach Rosi waren Lehrjahre, waren ein Aushalten, ein gegen Wände laufen, ein Ausprobieren. Selbstbilder entpuppten sich als Versäumnisse und Folgen einer sehr langen engen Beziehung. Zweisamkeit birgt immer die Gefahr einer abtreibenden Insel, fern normaler Rückmeldung. Ich bin nur Durchschnitt, nicht mehr, aber auch nicht weniger; damit kann ich leben. Es läuft bereits die Nachspielzeit, aber der Abpfiff darf ruhig noch warten. Ich breite meine Wanderkarte aus und sehe immer noch viel weiße Flächen, die auf eine Antwort warten, selbst wenn es dann nur neue Fragen sind. Denn ohne Fragen gibt es keine Orientierung und die bleibt auch dann, wenn ich nicht mehr frage.

Halt

Bunte Fäden verweben mich in meiner Welt. Manche nicht stärker als die Spur einer Spinne. Andere halten so manches aus. Doch mein Leben mit Rosi war wie ein festes Tau, das mich auch dann noch hielt, wenn es stürmisch wurde. Und es mag sein, wir hielten uns nur gegenseitig in schwierigen Tagen, so waren wir dennoch dem anderen ein fester Anker.

Trugschritte

Bisweilen verdrängt das aktuell Notwendige, das darunter gewobene Gespinnst der Ungewissheit.
So gehe ich auf scheinbar festem Boden, den ich aber nur als fest voraussetze, vermute.
Ich lasse mich einhüllen von einer lärmenden und mit täglichen Aufgaben fordernden Gegenwart,
ohne mir der Plötzlichkeit eines Abrisses gewahr zu sein, der die Münze auf eine andere Seite dreht.

Mahlstrom

Ich erlebe Tage und Wochen wie scheinbar unbeschriebene Blätter, die sich mir auftun und suggerieren, ich hätte da echte eigene Spielräume. Doch ehe ich auch nur einen einzigen ersten eigenen Strich setzen kann, ist schon wieder alles voll. Mein Leben ist irgendwie schon gelaufen und ich bleibe Statist, trotz meiner Hauptrolle im eigenen Film. Da läuft etwas falsch und ich weiß nicht um einen Ausschalthebel, der den eigenständigen Lauf der Dinge unterbricht. Vielleicht ist es auch wie ein plötzliches gewolltes Aufwachen aus einem Traum, den ich nicht fortsetzen möchte. Doch selbst in der Stille eines regungslosen Augenblicks hüpft meine Gegenwart durch den Strom der Minuten und verliert sich schnell in Strudeln aberwitzig kurzer Stunden.

Restgemenge

Ich werde nicht mehr alles erledigen können, wie ich mir das angedacht hatte. Mein Reststück Leben wird kürzer. Und wieder mache ich das, was mir schon immer geholfen hat: „Ein Spiel auf Lücke.“ Unwesentliches bleibt eben liegen, eventuell auch Wesentliches. Es bricht die Zeit der kürzeren Linien und der scheinbar vorläufigen Schlussstriche an. Vielleicht ergibt sich durch notwendige Kürzungen sogar mehr Raum, der nochmals etwas Weite zulässt, ehe ich mich verliere.