Loslassen

Späte Wege sind bisweilen düster und bitter,
doch ohne Angst.
Vielmehr verbleibt leise Trauer über Sätze,
die ich leider nie gesagt habe,
oder Wege und Taten,
die ich mich nie getraut habe.
Doch eigenen Mangel an Größe zu akzeptieren,
ist ein erster Schritt,
mit mir selbst ins Reine zu kommen.

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Lieber ein Wort korrigieren, als es nicht aussprechen. Das Nichtgesprochene hinterlässt ebenso seine Spuren, was ich aber weder absehen noch steuern kann.

Durchhalten

Noch einmal ein Zuhause haben,
wissen, wo ich hingehöre,
heimkehren und spüren,
das ist mein Platz.

Aber ich stehe und wandle zwischen Türen,
nur auf der Durchreise,
ohne Ziel, ohne Ankunft,
ohne Wissen wohin und weshalb,
ein Spielball der Beliebigkeit.

Einzig im Blues,
im Roten aus dem Weinschlauch,
weiß ich um einen kleinen Halt
gegen jenen Sog ins schwarze Nichts,
solange das letzte Glas ungetrunken bleibt.

Bewegung zulassen

Leben arrangieren, in verbliebenen Resträumen,
Bestehendes anpassen, neu pointieren, andere Linien finden.
Gestalt werden lassen, was sich noch nicht be-greifen lässt.
Ausdrücken, was Eindrücke hinterlässt.
Bestehendes nicht als festen Bestand gelten lassen.
Umräumen und nicht nur verräumen,
Räume schaffen, ohne sie erneut zuzuräumen.

Spielereien

Karten werden einfach nur gemischt
und sorgen schnell für ein neues Spiel.
Im Leben ändern sich jedoch auch die Karten
und das Spiel wird ein völlig anderes.

…es wird ernst, es geht nicht nur um Karten
und es ist längst kein Spiel, es geht um alles.

Gebeugt

Ein Fahrrad, eine Gestalt, eine Silhouette, eine weiße Pudelmütze, bannte und führte meinen Blick. Ich ahnte ihr Wesen, spürte ihre Nähe und drückte mich in beklemmender Scham davon, ohne Überlegung, ohne Kontrolle, einfach so. Ich war ohne Mut, der mir nicht zustand, auch wenn ich damals einfach das tat, was mir Leben und erhofftes Licht verhieß, das ich mit ihr immer weniger atmen konnte. Ich war und bin klein, ich möchte nicht wieder ihr Anlass für verbalisierte Peinlichkeit sein, die für mich irritierend wie entfremdend war.

Wieso

Noch fehlen mir die Worte. Meine Gefühle sind müde. Ich sehe am Tisch ausglimmende Kerzen. Inneres Nachspüren ist erst einmal aufgeschoben. Aber einfach per Klick gestrichen zu werden, ist wohl dem Zeitgeist geschuldet und nicht einem Geist, dem die Fähigkeit der Sprache gegeben ist. Ohne Orientierung zu leben, wird mir langsam zur Normalität. Vielleicht fühle ich mich an eigenes Handeln, an eigenes Unrecht erinnert, ohne dies damals gewollt zu haben. Wollen ist nicht eine Frage des Gewissens, sondern eines Handelns in einem inneren Zwang. Ohne Schuld zu sein, ist reiner Zufall oder ein Missverständnis. Zu verstehen ist immer ein Irrtum. Immerhin habe ich heute meine alte schon verloren geglaubte Mütze in einer Kneipe wiedergefunden. Ich halte zu mir, trotz alledem. Wer oder was bleibt mir sonst?