Sprechendes Gemenge

moos

Alles spricht mit mir,
ob mit Worten oder Schweigen,
mit Bildern oder in
schwarzer Nacht.
Auch die Stille plaudert munter
über ihr leises Wissen.
Alles tausch sich aus,
fließt ineinander über,
vermengt sich und
gewinnt dazu.
Was für ein inniges Miteinander,
ohne dass auch nur ein Laut zu hören ist.

Advertisements

Ankommen

Liebe ist bisweilen etwas sehr leises,
das nicht vieler Worte bedarf.
Es ist etwas,
das womöglich nicht einmal direkt angesprochen werden mag,
weil sie längst schon angekommen ist.
Zunächst scheu, etwas müde vom Lebensweg und
einfach mit innerer Ruhe in die Ferne blickend,
aber doch zuhause.
Halte sie fest, ganz sanft, ganz sacht,
doch sie will längst nicht mehr weg.
Miteinander in Nähe zu schweigen,
ist wie eine immerwährende Umarmung.

Weite

Es fällt schwer, in eine Normalität abzugleiten,
die ich gar nicht will.
Ihre Nähe, ihre Stimme, ihr Wesen
ist für mich ein Zuhause an jedem Ort.
Wir blickten gemeinsam weit in die Ferne.
Der Himmel zeigte uns einen Horizont,
so unglaublich klar, transparent, so frisch.
Uns zu Füßen jene Stadt, die uns beiden
stets wohlgesonnen und bergende Urbanität.
Heimkehren kann unsagbar schön sein.

Zweisicht statt Einsicht

zug

Ein Morgen ohne Sonne,
dunkle Dämmerung erdrückt den Raum.
Träge treibt eine fade Helligkeit herein.
Meine Gedanken liegen müde im Bett.
Nur langsam finden meine Beine den Weg des Alltäglichen.
Die Schwere einer distanzierten Normalität
verschlingt jegliche Motivation.
Dabei zerrinnt der Tag, die Woche, das Jahr.
Funktionalität ist Trumpf,
Pünktlichkeit, Punkte abhaken.
Ich stehe nicht auf meiner Liste.

Endlich aufwachen, in mir selbst sein,
mich erleben dürfen, heute, morgen
und mit Blick auf ein weiteres Jahr,
nicht nur für einen Nachmittag, nicht nur für einen Abend.

Alleine geht das nicht.
Helles, atmendes, waches Leben steht auf vier Beinen
und denkt mit zwei Körpern,
die sich mögen
und fest in den Armen halten.

Drüben

elbe
Schienenblockaden blockieren nicht,
wenn mein Herz leise lächelt und mein Körper summt.
Die Armbanduhr schläft.
Ein Blick, ein Wort und wir knüpfen nahtlos an,
wo wir stehengeblieben waren, einfach so.
Spätestens am Fluss setzt uns der Fährmann an ein anderes Ufer.
Zurückgebliebenes war jetzt unwichtig.
Wir aber steigen an verträumten Heimen jung hinauf in eine große Laube.
Gedanken tauschen sich aus,
einem Lächeln folgt ein Lachen,
verstehen und zuhören,
Zuneigung, wechselseitiges Annehmen in naher neuer Vertrautheit.
Was für ein Dahinfließen,
eintauchen in Erinnerungen,
gemeinsames Sehen.
Ich fühle ein Licht in mir strahlen,
das auch dann noch tanzt,
wenn das alte in Dämmerung gehüllte Ufer
uns zurückholt.

Am Keller

keller

Hinter Bier und Büchern wohl verborgen,
wurde ich doch gefunden am muntren Keller.
Tief war ich in den Zeilen eingetaucht,
um dann freudig überrascht,
mich in vertrauter Runde vorzufinden.
Wenn auch die Worte keinen tiefen Grund berührten,
gaben sie doch Halt
in dem was ist und jetzt Wirkung hat.
Der Freunde Worte sprach mich an
und nahm mich so wie ich da sahs.
Doch nur kurz war der Besuch,
der mir am Tisch Gemeinschaft schenkte,
die im Buch ich nimmer finden werd.

Klagelied

P1120733

Ein Lied liegt mir in den Ohren,
ein trauriges Lied,
die Klage eines Mannes,
seit Tagen schon.
Es will nicht verstummen,
wohin ich auch gehe, wohin ich auch blicke.
Die Sprache ist mir nicht vertraut,
seltsam orientalisch, jedoch nicht verspielt, nicht verträumt.
Ein Klang, der sich nach Tränen sehnt,
dem aber die Kraft fehlt, sich weinend zu erleichtern.
Ich höre das Lied aus einem verlassenen Haus, gar einem Palast,
wie aus einem hinteren Flur,
einem Zimmer, das kaum zu finden ist,
in einem großem Haus,
das keine Türen hat.
Das Lied will nie enden,
nie schweigen,
klagend seine Weisen singen.
Leise Trauer legt sich über alles.
Das Lied spricht, klagt an ohne verklagen zu wollen,
blickt zurück, auf nicht mehr Änderbares.
Ein Lied, das auch ohne seine Worte zu verstehen ist.
Ein Mensch sucht Trost,
nach Halt, nach Sinn.
Es ist ein klagendes wie auch ein bittendes Lied,
das sich nach Erhörung sehnt.