Öffnungen

Eine Bewegung im Stoff, wie ein Luftzug,
ein Vorhang an der Wand, unauffällig, einfach da.
Ehemals war hier ein lichtdurchfluteter Durchgang.
und dann war plötzlich diese Stoffbahn,
undurchdringlich, abweisend, nicht zu verstehen.
Ist die Tür noch da, ist sie verschlossen,
oder war sie nie wirklich zu, nur verhüllt?
Hat es sie je gegeben oder bilde ich mir das ein?
Und wieder wirkt der Stoff wie lebendig.
Nur ein Luftzug, oder ein Spiel mit meinen Sinnen.

Schreiben

Wie ein Fenster, das sich zu einem Hof nach innen öffnet.
Ich sehe hinaus, ohne hinauszusehen, lausche, ohne etwas zu hören.
Stille hat viele Schattierungen, kann auch brüllen, dass es schmerzt.
Dann endlich schreie ich hinaus, lärme, lache, weine, ohne mich zu hören.
Es sind ja nur Worte, gedacht, manchmal geschrieben und bald vergessen.

Ströme

Gewachsene Ordnungen anders kombinieren, materiell, in Räumen, aber letztlich auch im Denken. Noch einmal ausrichten, doch diesmal auf den Schluss. Das ist hart, aber real und vernünftig. Ich bin endlich und werde unausweichlich in mein Ende eintreten. Das mag erst übermorgen oder gar heute sein, aber ich habe es im Blick, wenn auch zunächst nur im Winkel. Blickwinkel sind überlebensnotwendig und begleitend, bis zum Schluss. Ich schreite weiter in einen anderen Abschnitt, einen letzten Abschnitt und verbinde dies mit einem aktuellen räumlichen Schritt. Das ist auch ein Heraustreten aus gewohnten Bahnen, das speziell in diesem Haus einen Bogen umfasst, von dereinst, bis zum erahnten Schluss. Dieses Haus war mir stets ein Dach, das ich irgendwann nicht mehr brauche, aber hoffentlich weiterhin besteht und dann andere zu bergen vermag.

Weiter

Die Stoika ist gut für Tage im Feldlager. Fortschritte, Ergebnisse sind gefragt. Auch wenn mir manchmal nach Tränen ist, packe ich die nächste Kiste und trage Stück für Stück. Lange Projekte verlangen Standvermögen, auch wenn es weder Zusprüche noch Rückhalt gibt. Ich allein bin mir selbst Zuspruch und Rückhalt. Ich arbeite ohne Reserve und Ersatzteile. Fragen stellt ohnehin niemand. Das faltige Gesicht im Spiegel erinnert mich an jemanden, den ich von früher kannte.

Abdrücke

Ich blickte hinauf zum Schloss, zum Turm und den Dohlen, die durch die fahlen Fensternischen flogen wie durch die Augen eines Schädels. Ich sah hinauf und glaubte bereits, in einem Zauberschloss angekommen zu sein, das ich aber nie betrat. Das ferne und dennoch nahe Krächzen der schwarzen Schatten schien mir vertraut, doch blieb mir das Schloss stets verschlossen, so oft ich mich auch näherte. Nur die Küsse blieben, oder war es nur ein feuchter Nebel?

Neues Set

Ich muss meine Karten nochmals neu mischen. Ohne Einsatz, ohne Spiel, trete ich nur auf der Stelle. Das Spiel muss fortgesetzt werden. Und es dauert an, bis die letzte Karte aufgedeckt wird. Natürlich ist es kein normales Spiel. Es geht um einen hohen Einsatz und letztlich ist es auch längst nicht nur ein Spiel. Ich erwarte keine Zeit immerwährender Apfelblüte, aber die Hoffnung endet erst, wenn die Spielkarten zerfallen.

Gespinnst

Ich spüre mich ohne Zukunft. Arbeit lenkt ab, vermittelt den Eindruck etwas aufzubauen, Teil von einer Sache zu sein, die noch kommt. Doch das Gefühl, nicht mehr gebraucht zu werden, nur noch um mich selbst zu kreisen, ist ein leises Gift, ein bitterer Beigeschmack, der sich nicht mehr wegspülen lässt. Das Gehen wird immer realer und auch ein mögliches langsames Zergehen, ein Zerfall, ehe ein letzter Augenblick meine Spur tonlos verwischt.

Leise Taten

Ich baue an einer Herberge, ob für Mauersegler, Spaziergänger, badende Amseln, suchende Solitärbienen, lachende Menschen, die sich am Leben in einem grünen Hinterhof erfreuen. Es ist motivierend, Leben zuzulassen, Spielräume anzubieten, die angenommen werden und Freiräume zu öffnen, die auf spontanen Bedarf stoßen. Genau so sollte es sein. Und nicht nur das gefleckte Knabenkraut am Teich zeigt an, dass es ihm dort gefällt. Und wenn morgen alles vorbei wäre, würde ich noch heute Wildsamen auf die Straße tragen. Wer auch immer die Blüten zwischen dem Pflaster sieht, kann nicht mehr wegsehen.

Rückschau nach vorne, 2

Fünf Jahre sind eine kurze Zeit, in denen dennoch schier alles aus jahrzehntelangen Verankerungen geraten kann. „Never change a runing system“, ist eine eindringliche Warnung und wer möchte wirklich etwas ändern, wenn es ihm letztlich einigermaßen gut geht? Wir neigen nicht zu ständigen Anpassungen, vielmehr verharren wir, bis zum letzten Augenblick, weichen aus, verschließen notfalls die Augen, um nicht handeln zu müssen. Wenn aber erst einmal der Damm gebrochen ist, gibt es kein Halten mehr. Fehler, Trugschlüsse, Verunsicherungen, Irrungen, verspätete Erkenntnisse, schmerzliche Selbsterfahrungen und Einsicht über eigene Begrenztheit, Wechselbäder aus Trauer, Verzweiflung und kurzem Glück, Erkenntnis in eigenes schuldhaftes Handeln, Unvermögen, Unfähigkeit, Ehrlosigkeit, bis hin zu Lichtblicken und überraschendem Wagemut, sich auf wirklich Neues einzulassen und dafür einzustehen. Die letzten Fünf Jahre waren ein erzwungener unvorbereiteter Aufbruch, ohne Gepäck, Emigrant im gewohnten, scheinbar bekanntem Umfeld. Ich bin wieder zuhause, ein anderes, neues Zuhause, kleiner, aber eines, das zu mir passt.