Pulsierende Nähe

Nur weil etwas in einem Kontakt zwischen Mann und Frau nicht so läuft, wie es laufen könnte, auf mögliche Alternativen zu setzen, deutet auf Bequemlichkeit, aber nicht auf Nähe. Ernsthaftigkeit in der Nähe orientiert  sich mit Respekt am Eigenwillen des anderen. Nur in der Kraft des Wartens liegt die Glaubwürdigkeit eines sich Einlassens und fairen Umgangs auf gleicher Augenhöhe. Erst wenn diese wechselseitige Wertschätzung auf dem Boden beidseitigen Vertrauens steht, trägt dies auch über spätere Hürden. Wenn mir die letzten Jahrzehnte etwas gelehrt haben, dann ist es eine atmende Partnerschaft, die sich immer wieder neu orientiert und viel Raum für eigene Bedürfnisse zulässt. Nur wenn eine Beziehung in Freiheit sich bindet, gibt es keine Fesseln, aber das bleibende Bedürfniss, sich immer wieder nah zu sein. Nähe erwächst aus der Kraft, Ferne nicht als distanzierend zu erleben. Es ist wie Ebbe und Flut, beides gehört zusammen.

Ins Leere sehend

gesicht

Abwickeln, zu Ende, unter die Erde bringen. Einen Abschluss setzen, wegräumen, aufräumen, ordentlich abtreten. Den Nachlass regeln, sich nachlassen, sich verlassen und verlassen sein. Abtreten in helle Losigkeit, dem ein Sinn nicht kommt. Wegtreten,  wegrutschen, abstüzen, wohin ist unwichtig, nur stürzen, einfach stürzen, aber geregelt. Leere ist ein Ort, der mich nicht braucht. Durchrutschen, durchfallen, wegfallen, übrig bleiben, still sein, in Stille verharren, erstarren, weder müssen noch wollen. Tonloses Schweigen, in tiefem Atmen – ein – aus. Der Horizont ist weit, während eine Kornweihe ihre Kreise zieht.

Wieder in Fluss gekommen

Gestern lag er da, ein Füller in der Lade, vergessen, übersehen, abgelegt für den schnellen Gebrauch. Jetzt rutscht die Feder ohne Widerstand über das Papier, hinterlässt eine blaue Spur aus Tinte und schenkt mir Worte, Sätze, Sinn und Erinnerungen. Doch just mit dieser Feder hat ihre Hand geschrieben, die nicht mehr ist. Ihre Hand, die mich berührte, die mich führte, die mich hielt. Ihre Finger waren zart, weich, voller Gefühl. Ich hielt sie auch in jenen Augenblicken, als alles Leben aus ihnen wich, alle Wärme, jeder Halt. Zurückgeblieben ist nur die Feder, etwas eingetrocknet, aber wieder in Fluss gekommen. Tränen tropfen auf geschwungene Linien, vermengen sich mit dem Blau, zeigen Reaktion, aber nur mit der Tinte.

Feennebel

Morgens im Wolfslicht, im Nebel, da sind sie unterwegs. Im Tageslicht ist diese Anderswelt völlig überblendet, aber wenn Wolken die Sonne verdunkeln, tauchen die Schleier wieder auf. Warum soll es nicht eine Parallelwelt geben, durch die wir nur hindurchgehen, ohne sie zu sehen, jedoch erahnen, spüren können. Wenn sich Tag und Nacht einen Kuss geben, kreuzen sich diese Welten und gehen kurze Berührungen ein. Im richtigen Augenblick enthüllen sich die Nebel und geben Blicke frei, die uns verwirren und bezirzen.

Sicherheit versus terra incognita

wasserBürgerliche Kontinuität mit geregelten aber verlässlichen Perspektiven im ruhigen Fahrwasser oder aber kreative wilde Spontanität, mit Leidenschaft, Frust und immer wiederkehrender Suche nach Neuorientierung in unvorhersagbaren und unberechenbaren Untiefen? Beiden Rufen zu folgen, ist miteinander scheinbar unvereinbar. Für beide Seiten sehe und finde ich Frauen mit attraktiven Flair und lockenden Aussichten. In den sicheren Hafen hineinfahren oder mit offenem Kurs bei vollem Risiko in See stechen? Beide Welten habe ich kennen gelernt, aber stets den einfacheren, den beschaulicheren Weg gewählt. Ich bin damit nicht schlecht gefahren. Aber meine Sehnsucht blickte auf andere Ufer. Ist man nicht irgendwann einmal alt genug für die andere Seite? Der Apfel der Erkenntnis wächst nicht auf der gemütlichen Hälfte. Der Quell des Neuen braucht die Essenz des Chaos. Das Chaos ist die Mutter aller Dinge. Die alten Harmonien sind mir vertraut, aber ich liebe neue ungehörte und ungehörige Lieder, neue ungesungene Texte mit kräftigen schrägen Tönen, die das auf den Kopf stellen, was schlechthin als sogenannte Normalität gilt. Denn was ist schon normal, nur weil es eine Mehrheit so sieht? Ordnungen gibt es auch jenseits gedachter Linien, selbst wenn wir sie bislang nicht und vielleicht nie verstehen. Der Mensch ist nicht das Maß der Dinge, sofern diese überhaupt existieren geschweige denn klar ist, was Existenz überhaupt ist.

Vielleicht liegt mir aber auch die Fähigkeit Chaos Schritt für Schritt etwas zu ordnen und unsicheren Boden irgendwie begehbar zu machen. Aber niemals sollen schräge bunt schillernde Vögel in einem noch so geräumigen Käfig ihres Elements beraubt werden. Denn nur in Freiheit beeindruckt mich deren Ruf und Wesen, was sie mir aus freien Stücken schenken. Vielleicht muss ich nur aus meinem eigenen Käfig hinaus treten?

Ritt auf meiner Fantasie

wiese

Wer tagsüber nicht träumen kann, wird nie etwas Großes bewegen. Ich habe keine morgendlichen Durchhänger. Das ist vielmehr eine Art Sammlung oder neudeutsch ein inneres Briefing und das braucht vor allem Zeit. Visionen sind keine Form von Krankheit, sondern vielmehr Ahnung oder ein Sehen dessen, was sein könnte. Visionen haben sehr schnelle Beine und sind sehr flüchtig, weshalb Papier und Stift zwingend erforderlich sind, um Erinnerungspflöcke einzuhauen, an denen dann die sich wild widerstrebende Fantasie binden lässt. Einmal eingefangen und miteinander vertraut lassen sich Sprünge wagen, an die sonst niemand überhaupt denken würde.

Mit dem Tod bei Tisch

tisch

Da grüble ich in meiner Küche und mal mir aus, wie das wohl sein wird mit dem Alter. Dabei sitzt der Tod längst an meinem Tisch, isst aus meinem Teller, trinkt aus meinem Glas und zwinkert mir zu. Er ruht nicht, wenn ich längst schlafe und er wartet bereits, wenn ich erwache. Doch um ihn muss mir nicht bange sein, war er doch schon immer da, nur noch nicht so vertraut, wie in diesen Jahren. Jetzt nehm ich ihn ernst, weiß um die Kürze des Tages und die Chancen einer Stunde. Aber nicht die Uhr diktiert mir mein Handeln und Lassen. Das Innehalten, das Hinsehen, das Staunen, das sich Berühren und Zulassen, das Erleben in Gedanken, Gefühlen und innerer Annahme ist mir ein Pfad zwischen den gepflasterten  Wegen. Dabei ist das Ankommen nicht mehr so wichtig. Unterwegs sein ist mehr, als am vermeindlichen Ziel verharren. Und wenn dann doch die Zeit sich in die Länge zieht, wird selbst der Tod gegen ein paar Glaserl Schnaps und eine Runde mit den Würfeln nichts einzuwenden haben.

Morgentanz

zierlauch

Aufwachen, ein erster Gedanke und schon schiebe ich den Schlaf beiseite, Wozu auch träumen? Da ist ein Gesicht, eine Stimme, die so vertraut klingt, dass sie locker durch den Tag trägt. Ich sitze nicht barfuß am Klavier, aber ich rappe das trübe Tageslicht und lass mitten im Regen die Sonne durch. In allen Farben tanzt der Himmel und leuchtet für jene, die es sehen wollen. Der Bogen schließt sich, Traum und Wirklichkeit wagen einen Kuss.

Blindes Vertrauen

Leicht, lustig, locker, das ist schön, aber ohne Dauer, ohne Tiefe, ohne langen Nachhall, ohne Halt. Das Fenster des Haltenden liegt im Bodenlosen, im kaum Sichtbaren, das wir letztlich nicht zu greifen vermögen. Tragend heißt, das Unbekannte anzunehmen, als Stärke im nicht Verständlichen und trotzdem nicht unterzugehen, sondern auf seltsame Weise, dem Abgründigen zu vertrauen.

Verwobenes Verstehen

Das Wahre liegt nur einen Satz entfernt. Aber unsere Seele weiß längst, was in Worte so schwer zu kleiden ist. Intuition ist eine Brücke, ein Band zwischen Geist und der Welt des Anderen. Ratio, Emotion, Intuition, ist ein Blick in drei Richtungen, mit gemeinsamen Schnittmengen. Doch niemand weiß um die gleitenden Trennungslinien, die letztlich einem inneren Wesen folgen.